Schreibwerkstatt in Oswiecim/Auschwitz

18Mai09

„Ich möchte niemals eingesperrt sein“
Deutsch-polnische Schreibwerkstatt in der IJBS Oświęcim

„Ich möchte niemals eingesperrt sein.“ Diesen Satz sagte Marcus, einer der sieben Schüler des Georg-Mendheim-Oberstufenzentrums Oranienburg, die vom 24. bis 30. April an einer deutsch-polnischen Schreibwerkstatt in Oświęcim/Auschwitz teilnahmen, schon am ersten Tag nach der Besichtigung des Museums für das ehemalige Stammlager Auschwitz.

Ganz kurzfristig, nämlich nur drei Tage vorab entschieden sie sich, auf die Reise zu gehen, auf der sie das ehemalige Konzentrationslager Auschwitz und das ehemalige Vernichtungslager Birkenau kennen lernen sollten. Außerdem trafen sie mit fünf polnischen Jugendlichen (Martyna, Monica, Ola, Michał und Woitek) aus Zielona Gora zusammen, die in ihrer Freizeit schreiben und machten selbst den Versuch, sich dem Thema „Tätersprache – Opfersprache“ schreibend zu nähern. Einige von ihnen schrieben in Oświęcim ihre ersten Gedichte.
Das Programm, das die 17-18jährigen Jugendlichen, neben Marcus waren Eric, Anke, Sarah, Maria, Philipp und Fine dabei, absolvierten, war mehr als vollgepackt. Außer den Besichtigungen der beiden ehemaligen Lager gehörte ein Vortrag zum Thema „Lagerszpracha“ dazu, trafen die Jugendlichen den Zeitzeugen Jósef Pacziński und konnten im Archiv des Konzentrationslagers arbeiten. Vorbereitet worden war die Werkstatt vom Projekt „kunst – raum – erinnerung“ des Bildungsverbundes für die internationale Jugendbegegnungsstätte Sachsenhausen und von der Internationalen Jugendbegegnungsstätte Oświęcim.

Was die Jugendlichen besonders beeindruckte, ist an ihren Texten ablesbar. Sätze wie: „Ich kann das einfach nicht verstehen“ von Sarah oder „… der Widerstand wird niemals sterben“ von Marcus finden sich darin. Fine fand, dass der wundervolle blaue Himmel, das Gras und die Blumen in Birkenau nicht mit der Lagerrealität, die uns geschildert wurde, in Übereinstimmung zu bringen sind und geradezu makaber wirken. „Auschwitz, eine Folterkammer, ein Höllentor, eine Endstation“, heißt es in einem ihrer Gedichte. Die deutschen und die polnischen Jugendlichen schrieben fiktive Briefe an ehemalige Häftlinge. Sie versuchten sich auch vorzustellen, was sie in einen Koffer packen würden, wenn es auf eine Reise ins Ungewisse ginge. Im Text von Martyna aus der polnischen Gruppe heißt es: „So stark wird meine Hoffnung sein, dass kein Mensch und keine Tücken des Schicksals sie aus meinem Koffer herausholen könnten.“

Im Archiv

Natürlich gab es zwischen den deutschen und den polnischen Teilnehmern auch Gespräche über Jugendkultur in den beiden Ländern, wurde gemeinsam gespielt und am letzten Abend gegrillt. Die große Wand im Seminarraum, an der am Ende der Woche mehr als 20 Texte auf deutsch und polnisch hingen (alle Arbeiten wurden in die jeweils andere Sprache übersetzt), wird allen im Gedächtnis haften bleiben. Es ist geplant, die Texte zu publizieren.

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2 Responses to “Schreibwerkstatt in Oswiecim/Auschwitz”

  1. 1 Philipp Borchardt

    Es war eine wundervolle woche mit vielen neuen, schönen und doch auch erschreckenden Erfahrungen.
    Die Schreibwerkstattarbeit in Oswiecim hat mich sehr geprägt und es hat auch einen riesen spaß gemacht sich mit den polnischen Schülern und angehenden Studenten zu unterhalten, Erfahrungen auszutauschen und zu lachen.

    Wie schon richtig im Artikel erwähnt, werde ich diese Woche niemals vergessen und ich fand es sehr schade dass es nur eine Woche war.

    Mit freundlichen grüßen Philipp Borchardt

    • 2 carmenwinter

      Lieber Philipp,
      Dankeschön. Ich werde die Woche mit euch auch nicht vergessen. Grüß bitte alle ganz herzlich.

      Carmen


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