öffentliches-live-schreiben in der Kunsthalle Brennabor

28Mrz09

Die Ausstellung der Jugendkunstschulen des Landes Brandenburg war uns am 19. März von 13.00 bis 18.00 Uhr Ort der Inspiration für ein öffentliches-live-schreiben. Mit dabei waren Ines Gerstmann aus Frankfurt (Oder), Katja Marzahn und Paula Balov aus Berlin und Mirijam Kusior aus Brandenburg an der Havel. Um 18.00 Uhr haben wir die neu entstandenen Texte gelesen. Das Publikum war überrascht und begeistert. Die MAZ hat berichtet.

Werbeanzeigen


3 Responses to “öffentliches-live-schreiben in der Kunsthalle Brennabor”

  1. 1 carmenwinter

    Ein Text von mir, der am 19.3. entstanden ist:

    Bilderflut
    So lange mein Deckel schön fest zu bleibt, passiert gar nichts. Ich stehe hier oben auf dem Regal und staube ein. Aber wenn jemand kommt, der einen Putzfimmel hat und mich abstauben will, dann rutscht mein Deckel bestimmt weg und dann passiert es: die Bilderflut. Alle Fotos, die ich so schön beieinander gehalten habe, ergießen sich ins Zimmer, rutschen in die Ritzen zwischen den Dielen, verschwinden zwischen Buchseiten, schieben sich in die frische Wäsche, die noch vorm Schrank gestapelt liegt. Ich kann da gar nichts tun. Kann nur warten, dass der Mensch mit dem Putzfimmel alle Bilder wieder einsammelt, meinen Deckel zumacht und mich wieder schön ordentlich oben ins Regal stellt.
    Aber bestimmt würde der nicht alle Bilder wiederfinden. Die sind nämlich pfiffig, die Biester. Wenn sie nur eine Möglichkeit sehen, zu entwischen, dann verschwinden sie. Das mit der Katze, die über die Straße läuft, plante schon lange die Flucht. Auch der Turnschuh, der Schnauzbart, die Balkonbrüstung und das Strickzeug. Der Mensch mit dem Putzfimmel glaubt zwar, dass er alle Bilder wieder zusammengerafft hat, aber er irrt. Erst nach und nach findet er die Flüchtigen. Das kann Monate dauern, Und dann kann er sich gar nicht erklären, wie sie in die Ritzen kommen und zwischen die Buchseiten und die Wäschestücke. Und er kann sich nicht mehr erinnern, wo er die Fotos gemacht hat. Wie heißt die Katze? Wessen Schnauzbart ist das? Wer hat gestrickt? Dann erfindet er sich Geschichten zu den Bildern, schreibt sie auf und legt sie in die Schachtel neben mir.

    Carmen Winter, Frankfurt (Oder)

  2. 2 Katja Marzahn

    Eine Ecke mit herrlich phantasievollen Kinderwerken inspirierte mich beim Liveschreiben zu folgendem Gedicht:

    Traumlicht

    Was ich heute sah:
    Pferde mit Flügel in blau,
    Schneemannzwillinge, die schweben
    hatte man mir beigebracht:
    sei nicht das echte Leben.

    Mit Tieren sprechen, verschrobene Formen,
    und in Gefühlsfarben baden
    trieb man mir aus
    jetzt geh ich schwer mit „Wirklichkeit“ beladen.

    Was ich heute sah:
    gekrönte Frauen, Drachen, Ziegel-Hunde
    beschwor in mir alte Träume herauf,
    ihre Kraft, nun eine Wunde.

    Sollten sie dich auch ermahnen:
    „das gibt es, das macht man nicht!“
    Sei dein Reiter, dein Prinz, deine Meerjungfrau.
    Sei dein eigenes Licht.

  3. Öffentlich? Sind das Autoren nicht immer?
    Schreiben? Ist es nicht das, was Autoren ständig machen?
    Live! Das macht den Unterschied. Nicht im stillen Kämmerlein und nicht allein schreiben.
    Es ist ein sehr inspirierendes Erlebnis für Autoren, Leser, Kunstinteressierte und überhaupt alle, die Kunst einmal vollkommen anders erleben wollen. Hier geht es nicht um kunstwissenschaftliche Interpretationen oder Kunstkritik. Es ist eine Möglichkeit für jeden, der sich auf eine ganz unkomplizierte Weise der bildenden Kunst nähern möchte, sie entdecken möchte auf ganz individueller Ebene. Man braucht dazu nur seine Sinne, ein einfaches Schreibwerkzeug und Papier. Ich persönlich brauche immer sehr viel Papier, weil es im Kunstraum (wie ich es mal nennen möchte) immer sehr viel zu entdecken und zu erLeben gibt. Der Raum, das Publikum, die Kunst, einfach alles bringt Wort und Text hervor.
    Man kann Autoren in Interviews hören, man kann sie auf Lesungen hören, man kann sie bei Preisverleihungen Reden schwingen hören, man kann hören wie andere über sie reden, aber wo kann man sie bei ihrem eigentlichen Handwerk sehen, beobachten und in Echtzeit kennenlernen? Hier! Beim Öffentlichen-Live-Schreiben.

    Zum Abschluss noch ein Beitrag meinerseits-aktuell zu diesem Live-Schreiben in Brandenburg a.d.H.

    Was ein Baum alles sein kann!

    Eine Sandwurzel, die
    Halt bietet im Treibsand.
    Eine natürliche Brücke, die,
    hat man den Halt verloren,
    vorsichtig überqueren kann,
    nur um dahinter auf neue Abwege zu geraten.
    Bei einem Sommerspaziergang
    mit einem Fremden auf einer Bank ……….
    ……… auf einer Bank aus Holz ……..
    zu relaxen,
    und dann durch verliebte Augen
    den Gartenblick blühen zu sehen, darin
    den Sommerspaziergang ein zweites Mal passieren zu lassen, ja,
    alles ein zweites Mal passieren lassen
    am Treppelsee.
    Was ein Baum alles sein kann – Geliebter!
    Geliebter, lass uns ein Leben daraus schnitzen!


Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google Foto

Du kommentierst mit Deinem Google-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s


%d Bloggern gefällt das: