Ruf aus Wittenberg
Am 17. April haben die Cranach-Schule Wittenberg, die Galerie Sonnensegel aus Brandenburg an der Havel und percussion local gemeinsam zu einer Tagung unter dem Motto “Die Jugend – Saatgut eines Staates” nach Wittenberg eingeladen. Mehr als 60 Gäste – Pädagogen, Schüler und Künstler – nahmen an der Tagung teil. Sie hörten Vorträge von Friedrich Schorlemmer, Prof. Katharina Braun, Margret Rasfeld, Prof. Josef Walch, sahen Improvisationstheater der Schotte aus Erfurt, Hermann Naehring an der Taiko und Schüler aus Wittenberg mit Theaterszenen zum Schulalltag. Am Ende der Tagung zogen alle auf den Wittenberger Marktplatz zum Melanchthon-Denkmal. Dort wurde ein Dialog mit Melanchthon, dessen 450. Todestag gerade begangen wird, geführt und der folgende “Ruf aus Wittenberg” verlesen.
Deshalb fordern wir
ein kräftiges Bekenntnis der Politiker in Bund, Ländern und Kommunen und rufen:
1.Ruf
Wir wollen eine gesellschaftliche Wertschätzung von Bildung im Allgemeinen und kultureller Bildung im Besonderen – sowie die Wertschätzung aller darin Tätigen.
2. Ruf
Es geht voran, wenn für die Entwicklung einer jeden Gesellschaft Phantasie und Kreativität öffentliche Anerkennung finden.
3. Ruf
Wir nutzen die neuesten Erkenntnisse aus der Hirnforschung und setzen uns deshalb für eine frühest mögliche kulturelle Bildung ein. Bildung von Anfang an und für alle !
4. Ruf
Es geht voran, wenn die kulturelle Bildung von Kindern und Jugendlichen zur Pflichtaufgabe mit kontinuierlicher finanzieller Förderung durchgesetzt wird. Damit wird ein freier Zugang für alle Bevölkerungsschichten zur Kulturellen Bildung ermöglicht.
5. Ruf
Wir gehen dann voran mit der Umsetzung einer besseren Bildung bei einer Förderung von positiven Modellen in allen Sparten, also in Musik, Theater, Tanz, bildender Kunst, Literatur und modernen Medien.
6. Ruf
Wir bekennen uns zu Anstrengung und Tiefgang, Bedeutungsanspruch und Qualität, Neugier und Denken statt Gedankenlosigkeit als förderungswürdige Elemente der kulturellen Bildung sowie zum Entwickeln von Stärken statt Eventkultur und „Bulimie – Lernen“; dies braucht kontinuierliche Förderung von nachhaltigen Projekten. Dann erübrigt sich ein immer neuer Ruf nach Innovation und neuen Höhepunkten.
7. Ruf
Das alles machen wir in gemeinsamer Arbeit von Mitarbeitern aus der kulturellen Bildung, mit gut ausgebildeten LehrerInnen und ErziehernInnen, denen ausreichend Zeit für ihre Bildungsaufgabe eingeräumt wird, mit neugierigen Eltern und einer Öffentlichkeit, die die Not im Bildungsbereich wahrnimmt und die Zeit für gekommen hält, daran endlich etwas zu ändern.
8. Ruf
Wir fordern das Ende des föderalen Bildungsdschungels und ein Ministerien übergreifendes Handeln von Rostock und Flensburg bis Dresden und München.
9. Ruf
Wir beklagen die Qualität in der Ausbildung von Pädagoginnen und Pädagogen, für die das Studium keine dritte Wahl sein darf, denn wir brauchen in allen Bereichen der Bildung gut ausgebildete Lehrkräfte und ErzieherInnen, die ihren Beruf mit Hingabe und Wissen ausüben.
10. Ruf
Wir sind willens und bereit, bei einer zeitgemäßen Förderpolitik, die unsere Jugendkunstschularbeit gesetzliche verpflichtend festschreibt, alle von uns entwickelten notwendigen Qualitätsstandards deutschlandweit zur Wirkung zu bringen.
11. Ruf
Mit Kunst und Kultur schöpfen wir aus dem Reservoir unserer gesellschaftlichen Wirklichkeit und gestalten diese. Eine vernünftige Kultur- und Bildungspolitik hält dieses Austauschverhältnis erst in Bewegung.
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Schlagworte: Jugendkunstschulen
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